Firma Ruhrglas in der Emscherzone im SMOG 1985


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SMOG und Vorbelastung der Region
Seit 1962 gab es dokumentierte SMOG-Perioden im Ruhrgebiet,
1985 Stufe 3 mit Fahrverboten.
Die beiden Fotos unten zeigen die Kokerei Zollverein im Jahr 1985. Die Bilder sind vom selben Standort aus aufgenommen und zeigen denselben Bildausschnitt, das verschwommene Bild im SMOG 1985. Weitere SMOGs gab es bis 1992 mit kurzzeitigen Spitzenwerten als Gesundheitsbelastung für tausende Anwohner, die aber nicht offiziell ausgerufen wurden.



Was SMOG ist definiert die Verordnung
Smog (Kofferwort aus engl. smoke = Rauch und fog = Nebel) entsteht besonders bei sogenannten Inversions-Wetterlagen. Dabei legt sich eine Warme Luftschicht auf die kältere darunter. Das verhindert die Konvektion weil normalerweise warme Luft nach oben steigt. Herrscht dann noch relative Windstille reichern sich die Schadtstoffe im kalten, bodennahen Bereich an. Geschieht das in einer Tallage wie der Emscherniederung können die Schadstoffwerte rasant ansteigen.
Die SMOG-Verordnungen erfassten viel zu große Gebiete und basierten auf der Mittelwertbildung der 4 gemessenen Schadstoffwerte an den Ecken der jeweiligen Messquadrate. Das führte zu erlaubten extremen Belastungen an den jeweiligen Hotspots, die aber statistisch wegdefiniert wurden.
Dasselbe geschah mit den laufenden Messungen der damaligen LIS (Landesanstalt für Immissionsschutz). Auf Basis der Daten der LIS konnte die Landesregierung zweifelhafte Entlastungen der Situation melden, die die reale Belastung an den Hotspots ignorierte. Aufgrund der Arbeit der verschiedenen Bürgerinitiativen konnten nach und nach Sondermessungen an den Hotspots durchgesetzt werden. Das führte zu realistischeren Werten.
Die Bewertung der Messtechnik verlangte von uns einiges fachliches Wissen. Wir haben uns das mühsam erarbeitet. Vorbild war uns dabei der Bergbau-Ingenieur Secunde aus Bottrop, der sich ein unglaubliches Wissen darüber verschafft hatte. 1993 erzählte er mir in einem Interview, dass er den Leuten bei der LIS derart auf den Wecker ging mit seinen Forderungen Einblick in die Rohdaten zu bekommen, daß er einen eigenen Raum bekam um in Ruhe die notwendigen Unterlagen studieren zu können.
Ich selbst habe 2 oder 3 mal öffentliche 2-tägige Tagungen der LIS an der Uni in Bochum besucht, die eigentlich nur für Fachpublikum ausersehen waren. Dabei habe ich viel gelernt und konnte mir ein eigenes Bild machen. Weil ich ganz normal berufstätig war, musste ich dafür natürlich Urlaubstage opfern.
1985
Volker wollte raus aus dem SMOG und Olaf floh ins Münsterland
2026 sprechen wir mit Freunden über unsere Erfahrungen mit dem SMOG Stufe3 1985. Volker erzählt folgende Geschichte:
„Wir wohnten damals mit unseren drei kleinen Kindern in Essen-Katernberg in der Gelsenkirchener Straße und hatten große Sorge, jetzt, in der Smogluft, auch noch eingesperrt zu werden.So fassten wir den Plan, trotz Fahrverbot diesen Sektor zu verlassen um Bekannte in Nordhorn / Niedersachsen, zu besuchen.
Die Stadtgrenze zu Gelsenkirchen, wo das Fahrverbot nicht galt, war keine hundert Meter entfernt. Ich ging zum Polizeiposten an der Stadtgrenze und fragte, ob er uns vorbei lassen würde. Nein, sagte der, fahren mit dem Motor ist verboten. Also packten wir die Sachen und unsere Kinder in den VW-Kombi und schoben die Karre mit vereinten Kräften, bis wir Gelsenkirchen erreicht hatten. Und dann gings ab nach Nordhorn.
So war das.“
Olaf Reis war Mitglied der Elterninitiative Pseudokrupp in den 80er Jahren.
Als ich ihn kürzlich (2026) wegen meiner Recherchen anrief, sagte er: „Ja klar, wir wussten ja bescheid. Als wir hörten, dass die Schadstoffwerte hoch gingen, haben wir sofort unsere Sachen gepackt und sind zu Bekannten ins Münsterland gefahren.“


