Nein zum

SMOG-

Pott

Eine Umweltstory: Essen und das Ruhrgebiet

Die Jahre 1980 bis 2000

Nein zum SMOG-Pott

Alex

Kunkel

wer ist das?

Alex Kunkel trinkt lächelnd ein Tässchen Kaffee

Bergbau, Zechen und Kokereien

Bergbau, Zechen und Kokereien

Kokerei und Zeche Zollverein
Der jahrelange Betrieb von Zeche und Kokerei Zollverein belasteten die Luft und hinterließen gravierende Altlasten. Störfälle mit Benzol und Kokerei-Gifte verseuchten die Umgebung. Die nahe gelegenen Kokereien Osterfeld in Oberhausen und Prosper in Bottrop ebenso.

1985 zogen wir in die Josef-Hoerenstraße in Katernberg. Direkt gegenüber der Reiterhof Liefke. Aber schräg vor uns die Kokerei Zollverein. Fühlbar, schmeckbar, hörbar wenn der Koks ausgedrückt und gelöscht wurde. Einige „Störfälle“ haben wir damals mit bekommen. In dieser Zeit arbeitete ich in Wechselschicht bei KRUPP-WIDIA und hatte so alle zwei Wochen Zeit vormittags mit dem Fahrrad auf Fotoexkursion zu gehen. Viele der Fotos auf dieser Webseite sind damals entstanden.

Zur Frage der Altlasten auf dem Kokereigelände nach der Stillegung 1993 entspann sich ein interessanter Schriftwechsel zwischen mir und der Ruhrkohle, der hier noch entsprechend dokumentiert werden wird.

Altlasten und Giftmülltourismus

Altlasten sind ein Querschnitts-Problem der gesamten Schwerindustrie. Hochofenschlacke landete als Belag auf Sportplätzen und Kinder, die sich beim Fußball das Knie aufschürften, hatten Probleme mit der Wundheilung. Tonnenweise Flugasche aus den Staubfiltern wurde nach Belgien vertickt und als Unterboden im Straßenbau verwendet. Das Grundwasser lässt grüßen. Die „Sanierung“ vieler Altlastflächen folgte marktwirtschaftlichen Interessen und schnell wurden Giftböden zu „Wirtschaftsgut“, mit dem man auch noch Geld verdienen konnte. Auf Flächen, die als saniert galten, wurden Bäume gepflanzt, die reihenweise eingingen – so erzählte es mir Herbert Busfeld aus der Wilhelminenstraße noch am 1. Mai 2025, als wir uns über mein Projekt Smog-Pott unterhielten. Als das Müllheizkraftwerk Karnap zuwenig Material zum Verbrennen hatte begann der von der süditalienischen Mafia mit organisierte Müllhandel in den Ruhrpott. Wir hatten immer vor den Überkakapazitäten bei der Verbrennungsplanung gewarnt.

Als die Globalisierung einsetzte beschränkte sich der Giftmüllhandel nicht mehr nur auf Europa. Der gesamte Erdball wurde ein gigantischer Verschiebebahnhof. Das Baseler Übereinkommen von 1992 zum grenzüberschreitendem Abfallhandel hat dem nur wenig entgegengesetzt. Und heute ist die ausufernde Kunststoff-Produktion mit immer neuen synthetischen Stoffen das Problem schlechthin. Die frühere, auf Chlor basierte Produktion, wurde schrittwie durch Fluor ersetzt, das als Grundlage der sogenannten Ewigkeitschemikalien dient. Dabei „schreitet dieser Fortschritt über Leichen fort“ (Walter Mossmann im Breisgau der 70er Jahre zur Atomkraft), weil uns als Gesellschaft immer nur die glorreichen technischen Funktionen solcher Stoffe angepriesen werden. Eine Gesamtschau darauf fehlt. Daseinsvorsorge in diesem Bereich wird zum Vabanque-Spiel.

Der Müll, die Weltbank und ihr Chefökonom

1991 tat sich der Chefökonom der Weltbank, Larry Summers, in einem internen Papier mit folgender zynischen Betrachtung hervor:

Die ökonomische Logik, eine Ladung Giftmüll in dem Land mit den niedrigsten Löhnen loszuwerden, ist untadelig.

Das gesamte Zitat kam an die Öffentlichkeit und ist im Greenpeace-Buch „Die Müll-Connection“ abgedruckt:

„Unter uns gesprochen: Sollte die Weltbank nicht MEHR Abwanderung schmutziger Industrie in Entwicklungsländer fördern? Ich sehe dafür drei Argumente:
Die Kosten gesundheitlicher Verschmutzung bemessen sich nach den entgangenen Einnahmen durch erhöhte Krankheit und Sterblichkeit. So gesehen sollte die Verschmutzung in dem Land mit den geringsten Kosten stattfinden.
Die ökonomische Logik, eine Ladung Giftmüll in dem Land mit den niedrigsten Löhnen loszuwerden, ist untadelig.
Ich war schon immer der Meinung, dass unterbevölkerte Länder in Afrika deutlich UNTER-verschmutzt sind. Ihre Luftverschmutzung ist, verglichen mit Los Angeles oder Mexiko-City, ineffektiv gering.
Nur die bedauerliche Tatsache, dass soviel Verschmutzung nicht verschiebbar ist (Transport, Stromproduktion) und dass die Transportkosten pro Festmüll-Einheit so hoch sind, verhindern einen Handel mit Luftverschmutzung und Müll, der dem Wohlstand der Welt zugute käme.
Das Bedürfnis nach sauberer Umwelt aus ästhetischen und Umweltgründen ist stark einkommensabhängig. Die Besorgnis etwa über einen Stoff, der die Wahrscheinlichkeit von Prostata-Krebs erhöht, ist erheblich größer in einem Land, in dem die Menschen lange genug leben, um überhaupt Prostata-Krebs zu entwickeln, als in einem Land, in dem die Kleinkinder-Sterblichkeit bei 200 von 1000 liegt.“

Die Hervorhebungen im Text stammen von Summers selbst. Quelle: Die Müll Connection, Greenpeace Buch, Beck’sche Reihe, 1993, Seiten 165 bis 167.

Die Weltbank distanzierte sich natürlich von diesen Überlegungen ihres Chefökonomen. Aber die zutage kommende Denkweise ist charakteristisch für das ökonomische neoliberale Denken bis heute. Alles ist Ware. Wo das nicht der Fall ist, muss dereguliert werden. Die Erde, die Menschen, die Natur sind ein Spielball ökonomischer Interressen, die sich unter schrankenlosem Wettbewerb durchzusetzen haben. All das käme dann „dem Wohlstand der Welt zugute“, wie es im Text heisst.

Alex

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